Bekannte Heilkräuter und -pflanzen

Schwedenbitter:
Unserer Nahrung wurden im Laufe der Zeit immer mehr Bitterstoffe entzogen, dass die verschiedenen Lebensmittel bzw. Obst und Gemüse verträglicher bzw. süßer schmecken, was sich besser verkaufen lässt. Damit fehlen uns diese mehr und mehr im Körper und z. B. bei Stoffwechsel- und Verdauungsproblemen sollte/kann man z. B. durch die Einnahme von Schwedenbitter dem entgegenwirken.

Wirkung des Schwedenbitters:
Schwedenbitter enthält eine Vielzahl an Kräutern. Die darin enthaltenen Mineralien, Flavonoide* und Bitterstoffe sollen den Kreislauf in Schwung bringen, die Verdauungssäfte anregen und auch die Blutbildung verbessern.

*Flavonoide sind in Pflanzen als sekundäre Pflanzenstoffe vorhanden und kommen damit auch in der menschlichen Nahrung vor. Ihnen werden besonders antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Lebensmittel mit viel sekundären Pflanzenstoffen sind v. a. grünes Gemüse (Salat, Rosenkohl, Brokkoli, grüner Spargel, Paprika…), Tomaten, Karotten und auch Nüsse (die enthalten auch die “guten” Fette Omega 3 und 6, genau wie Meeresfische).
Ähnlichen Effekt, was das Anregen der Verdauungssäfte angeht, kann man mit dem morgendlichen Trinken von einem Glas warmen Wassers mit einem Schuss Zitronensaft bzw. Ingwer erzielen. Allerdings fehlen hier die Bitterstoffe, die uns der Schwedenbitter wieder zuführt.

Retterspitz:
Retterspitz ist eine Lösung, die bei entzündlichen Beschwerden, stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Zerrungen, v. a. bei Schwellungen, aber auch Erkältungen äußerlich als Wickel angewendet werden kann. Ähnlich wie kalte Wadenwickel senken Retterspitz- Umschläge auch Fieber.
Retterspitz ist keine Pflanze, sondern eine Marke bzw. der Name des Produkts, benannt nach ihrer Erfinderin Margarete Retterspitz.
Die Inhaltsstoffe sind v. a. verschiedene Öle, medizinische Seife, Weinsäure, Ethanol und gereinigtes Wasser.

Kampfer:
Z. B. in der Pferde- oder Rosssalbe ist Kampfer enthalten, dem man durchblutungsfördernde, schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften nachsagt. Wird daher gerne angewandt bei Muskelkater, Gelenk- und Rückenschmerzen. Achtung: nicht bei Säuglingen und Kleinkindern anwenden.

Franzbranntwein:
Der Name ist eine Zusammensetzung aus “Franz-ösisch” und “Branntwein”, da er aus Weinresten und v. a. in Frankreich hergestellt wurde.
Er besteht aus reinem Alkohol (Ethanol) und enthält Fichtennadel- und Latschenkieferöl, Menthol und auch Kampfer.
Er wird als Einreibung gegen Schmerzen und Verspannungen und Muskelkater genutzt und früher auch als antiseptische Anwendung. Das Menthol lässt uns auf der Haut subjektive Kälte empfinden und danach kommt es zur Hyperthermie, sprich Durchblutungssteigerung und Rötung der Haut.
Aufgrund des Alkoholgehalts trocknet Franzbranntwein bei häufiger Anwendung die Haut stark aus, weil er ihr die Fette entzieht. Nicht mit Schleimhäuten in Kontakt bringen und Achtung bei offenen Wunden, desinfiziert zwar, aber brennt!

Quarkumschläge/Quarkwickel:
Quarkwickel sind ein uraltes, billiges und effektives Hausmittel, frei von Nebenwirkungen, für alle Personengruppen anwendbar (auch Kinder und Schwangere) und so gut wie immer verfügbar.
Quarkwickel eignen sich hervorragend Entzündungen aus dem Körper zu ziehen durch den Inhaltsstoff Kasein. Dieser hat eine bindende Wirkung der Entzündungsstoffe und sorgt dadurch für deren Abtransport. Er wirkt auch abschwellend, da Quark viel Flüssigkeit enthält, die, wenn sie verdunstet, für den kühlenden Effekt sorgt. Quarkwickel sind daher auch durchblutungsfördernd und schmerzlindernd.

Aloe vera:
Aloe vera, oder Bitterschopf, ist eine sukkulente Pflanze, ein Grasbaumgewächse, das ursprünglich von der arabischen Halbinsel stammt, aber mittlerweile weltweit verbreitet ist.
Der Saft der Blätter wird zu Heilzwecken benutzt, v. a. bei Problemen/Verletzungen der Haut wie Brand- und Schnittwunden, Akne, Neurodermitis, Abszessen und allgemein Wundheilungsstörungen.
Sie hilft gegen Schuppen, stärkt die Haarwurzeln und kann somit gegen Haarausfall wirken. Richtig dosiert ist sie auch als Abführmittel einsetzbar.
Sie ist oft Bestandteil von kosmetischen Haut- und Pflegeprodukten.

Arnika:
Arnika ist eine wunderbar vielseitige Pflanze, die z. B. in Globuli-Form in keiner Hausapotheke fehlen sollte. Sie hilft nachweislich bei akuten Schwellungen durch Brüche, Verletzungen, Prellungen oder Blutergüsse und wirkt außerdem entzündungshemmend, schmerzstillend und krampflösend.
Auch bei z. B. Insektenstichen einsetzbar, da auch eine anti-bakterielle Wirkung vorhanden ist (hier hilft im Akutfall noch besser Apis, ebenfalls in Form von Globuli).

Mönchspfeffer:
Er hilft v. a. Frauen bei Beschwerden in den Wechseljahren, bei Menstruationsbeschwerden (unregelmäßig, zu früh, zu spät, bei Schmerzen) und bei PMS. Er darf nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit genommen werden.
Generell gilt die Einnahme mit dem Hausarzt/Gynäkologen abzuklären.
Bei Frauen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs bzw. mit einer Hypophysenstörung kann es zu nicht erwünschten Wechselwirkungen kommen, daher Arztrücksprache!

Schafgarbe:
Die Schafgarbe ist eine Heilpflanze, die v. a. bei Verdauungsproblemen wie Verstopfung, Durchfall, Gastritis, Blähungen usw. und Frauenleiden wie Wechseljahrs- und Menstruationsbeschwerden eingesetzt wird.
Besonders hervorzuheben ist ihre positive Wirkung auf das venöse System. Sie fördert den Rückfluss zum Herzen, verbessert dadurch den Kreislauf und lindert somit venöse Beschwerden wie Krampfadern, geschwollene Beine, Schaufenster-Krankheit und Hämorrhoiden.
Weitere Wirkungen sind antibakteriell und antibiotisch, damit desinfizierend und wundheilungsfördernd, blutreinigend und blutstillend, krampflösend und apettitanregend.
In vielen sog. “Frauentees” ist Schafgarbe enthalten. Es gibt sie auch als Tinktur zur äußeren Anwendung.

Ginkgo (biloba):
Der Ginkgo-Baum ist uralt und sehr widerstandsfähig. In seinen Blättern sind die besonders wirksamen Stoffe, die Flavonoglykoside, eine Untergruppe der Flavonoide (Erklärung siehe oben bei Schwedenbitter) und Ginkgolide und Bilobalid, die in dieser Form nur in Ginkgo biloba enthalten sind, vorhanden.
Die moderne Medizin schätzt an Ginkgo-Produkten besonders die Verbesserung von Durchblutung, die Vernetzung der Nervenzellen und die damit verbundene verbesserte Signalverarbeitung im Gehirn. Diese gute Wirkung macht Ginkgo-Extrakte geeignet für die Behandlung von z. B. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Tinnitus und Schwindel.
Gingko-Extrakte fördern daher die mentale Leistungsfähigkeit, v. a. die nachlassende Gedächtnisleistung und Konzentrationsprobleme mit zunehmendem Alter.
Ebenfalls können alters- und durchblutungsbedingte Schwindelbeschwerden und Tinnitus verbessert werden.

Baldrian:
Als Arznei wirksam sind die Baldrian-Wurzeln, die u. a. aus verschiedenen ätherischen Ölen bestehen. Für den typischen Geruch sind v. a. Bornylacetat und Bornylisovalerianat verantwortlich.
Auch sog. Iridoide enthält Baldrian. Deren Abbauprodukt sind u. a. Baldrinale.
Ein Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe scheint für seine Wirkung verantwortlich zu sein, da man keiner Einzelsubstanz eine bestimmte Wirkung nachweisen konnte.
Baldrian wirkt sich positiv auf Angst- und Unruhezustände, Schlafstörungen und nervös bedingte Herzbeschwerden und krampfartige Probleme im Magen-Darm-Bereich aus.

Kalendula/Ringelblume:
Sie ist so reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und Carotinoiden, dass sie mit ihren vielen unterschiedlichen positiven gesundheitlichen Wirkungen schon seit dem Mittelalter aus der Pflanzenheilkunde nicht wegzudenken ist.
Die entzündungshemmende Wirkung steht im Vordergrund, aber Kalendula enthält ebenfalls Bitterstoffe wie Schwedenbitter (der aber oral verabreicht wird, Kalendula in der Regel/oft als Salbe).
Anwendung v. a. bei schlecht heilenden, entzündlichen Wunden und bei Narben.

Ihr Godehard Stoll, Physiotherapeut und osteopathisch arbeitender Therapeut

Hinweis: Dieser Text wurde von Godehard Stoll nach aktuellen Erkenntnissen der Medizin und Naturheilkunde verfasst. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit bzw. Fehlerfreiheit.